Theaterverein der Stadtwerke Frankfurt am Main e.V.
Theaterverein der Stadtwerke Frankfurt am Main e.V.

Unsere Aufführungen in Bad Kreuznach und in Meisenheim

- mit Zukunft oder mit Abschied?

 

Jedes Jahr seit 1961, also inzwischen schon 58 mal, besucht der Theaterverein die Freunde und Gäste der Diakonie in Bad Kreuznach und Meisenheim. Jedes Jahr führen wir dort unser aktuelles Theaterstück hauptsächlich für die körperlich und/oder geistig behinderten Menschen auf, die in diesen Einrichtungen wohnen, arbeiten oder in Behandlung sind. Hier bringen wir unsere bunte Theaterwelt zu den Menschen, die wegen ihrer Krankheit oder eines Handicaps nicht einfach mal so ins Kino oder Theater gehen können. Aber auch andere Gäste aus der Umgebung besuchen dort unsere öffentlichen Veranstaltungen.

 

Oft ist es der Abschluss der Saison, wenn das ganze Ensemble des Theatervereins mit etwa 30 Personen mit Bus und LKW anreist. Wenn der Tag gekommen ist, dann werden wir, die „Frankfurter“, bei unserer Ankunft oft schon von einigen Bewohnern freudig erwartet und begrüßt, sobald wir eintreffen.

 

Schon früh am Samstagmorgen beginnen wir mit dem Bühnen- und Technikaufbau in der Theodor-Fliedner-Halle in Bad Kreuznach. Nach der Aufführung am Nachmittag wird wieder alles abgebaut und im LKW verstaut. Gemeinsames Abendessen und Unterkunft wird von unseren Gastgebern vom Rehabilitätszentrum Bethesda der kreuznacher diakonie organisiert.

 

Nach dem Frühstück geht es am Sonntagmorgen mit Bus und LKW weiter nach Meisenheim. Dort, in der Mehrzweckhalle im Bodelschwingh-Zentrum der kreuznacher diakonie erfolgt wieder der Aufbau, zwischendurch das Mittagessen, dann, am Nachmittag die Aufführung des Theaterstückes. Danach helfen wieder alle beim Abbau und beim Verstauen des Materials. Bevor wir wieder nach Frankfurt zurückgefahren werden, bekommen wir noch ein Abendessen.

 

So war das für alle Beteiligten eine liebgewordene Tradition in all den Jahren. Doch in der letzten Zeit wird es für uns und für unsere Gastgeber und Freunde in den beiden Einrichtungen immer schwieriger, unser Tournee-Wochenende zu organisieren.

 

Noch vor den letzten Aufführungen im Januar 2019 bekamen wir die Nachricht, dass es der Diakonie aus verwaltungs- und steuerrechtlichen Gründen in Zukunft nicht mehr möglich sein wird, wie bisher als Veranstalter für unsere Aufführungen aufzutreten.

 

Die Diakonie darf nicht mehr wie bisher Eintrittsgelder für die Aufführungen kassieren. Es gibt dafür keine Kostenstelle und die Gemeinnützigkeit der Einrichtungen sei dadurch gefährdet. Außerdem wurde im letzten Jahr ein Teil der Übernachtungsräume auf dem Diakoniegelände zu Büros umgebaut. Dadurch würden für die Diakonie zusätzliche Kosten entstehen für unsere externe Unterbringung, für die es jetzt im Ausgleich auch keine Einnahmen mehr gibt. Auch hat die Diakonie die Hallen für die Aufführungen bereitgestellt und vor Ort weitgehend für unsere Verpflegung und Betreuung gesorgt.

 

Aber auch der Theaterverein fühlt sich nicht in der Lage, weitere Kosten zu übernehmen. Der Verein spielt an diesem Wochenende in Bad-Kreuznach und Meisenheim ohne Gage. Alle Aktiven handeln ehrenamtlich. Der Verein übernimmt die Bereitstellungskosten für die Aufführungen, auch die Kosten für Bus und LKW. - Also auch für unseren Verein bedeutet das Wochenende in jedem Jahr einen finanziellen Verlust, den wir aber als Spende für eine gute Sache betrachten.

 

Das alles führte dazu, dass wir bei unseren letzten Aufführungen vom kleinen Vampir unseren Freunden vor Ort, den Besuchern und Betreuern, mitteilen mussten, dass dies wohl die letzten Aufführungen vom Theaterverein in ihren Einrichtungen sein würden. Entsprechend getrübt war die Stimmung. Alle Beteiligten, wir als Theaterteam, die Betreuer, die Besucher und vor allem auch die Bewohner der Einrichtungen waren tief enttäuscht. Bei vielen ist manch eine Träne geflossen und der Abschied ist diesmal allen besonders schwer gefallen.

 

Nach einigem Schriftwechsel zwischen der kreuznacher diakonie und dem Theaterverein konnte aber nun eine Lösung gefunden werden.

 

Es dürfen zwar keine Eintrittsgelder verlangt werden, aber Spenden werden von den Besuchern gerne angenommen. Das wird aber die Kosten der Diakonie nicht ganz decken können. Doch kürzlich bekamen wir eine weitere Nachricht, dass der Gesamtbewohnerrat beschlossen hat, dass die Kosten für die beiden Aufführungen auch aus sonstigen Spendenmitteln finanziert werden dürfen. Diese Regelung gilt, solange dem Geschäftsbereich ausreichend Spendenmittel zur Verfügung stehen.

 

Die Bewohner verzichten lieber auf andere Aktivitäten, damit wir für sie weiterhin Theater spielen können. Diese Wertschätzung hat uns sehr berührt und spornt uns an. 

 

So scheint es gesichert, dass wir zumindest in der kommenden Saison, also im Januar 2020 wieder in Bad Kreuznach und in Meisenheim für die Freunde in der kreuznacher diakonie unser neues Stück, die Geschichte von "Mulan", aufführen können.

 

Wir alle hoffen, dass viele Spenden eingehen und dass es auch weiterhin möglich sein wird, die liebgewonnene, jahrzehntelange Tradition beizubehalten.

 

Michael Berz vom Theaterverein